Ansprechgruppe auf dem (pro-)feministischen Wochenenede: Wider die HERRschende Ordnung

Wir sind bisher eine kleine Gruppe von Menschen, die als Frauen* oder Männer* oder auch irgendwie dazwischen leben. Wir definieren uns als (Queer-)Feminst*innen und pro-feministen. Für die Unterstützungsarbeit freuen wir uns, wenn sich weitere Menschen finden.Wir wollen prinzipiell ansprechbar sein – in allen Fällen, in denen sich Menschen diskriminiert oder bedroht fühlen. Der Schwerpunkt bei unserer persönlichen Auseinandersetzung lag bisher meist auf antisexistischer Unterstützungsarbeit, wir versuchen im Rahmen unseres Wissensstandes aber auch in anderen Fällen zu unterstützen. Wir haben generell keine Lust auf Dominanzverhalten, was auf Kosten anderer viel Raum und Aufmerksamkeit für die eigene Person einnimmt und werden in solchen Fällen kritisch intervenieren.
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Sexismus und sexualisierte Gewalt tritt auch in linken Zusammenhängen immer wieder auf. Die patriarchale Struktur der bürgerlichen Gesellschaft prägt uns alle. Um dem zu begegnen und dagegen anzuarbeiten, sexistische Verhältnisse in Zusammenhängen mit emanzipatorischen Zielsetzungen andauernd zu reproduzieren, bedarf es bewusster Reflexion von uns allen und Konzepten der Unterstützungsarbeit und des Umgangs mit grenzverletzenden Personen.
Die Prinzipien der Definitionsmacht, Parteilichkeit und Vertraulichkeit bilden die Grundlage unserer Unterstützungsarbeit. Das bedeutet in der Praxis, dass wir uns bei der Wahrnehmung von Grenzüberschreitungen eindeutig auf der Seite der Betroffenen* positionieren. Wann deine Grenzen überschritten werden, kannst nur du selbst definieren. Wie damit umgegangen werden soll, wer was erfahren kann, definierst du und wir unterstützen dich darin.
Wir sind während des Wochenendes wechselnd persönlich ansprechbar und telefonisch zu erreichen und möchten Menschen unterstützen.Wir sind persönlich anzutreffen zu bestimmten Zeiten, die ihr auf dem Infobrett finden könnt. Es wird ein FLTI* Raum geben, der offen ist für alle nicht cis-männlichen Menschen. Es gibt außerdem ein Ampelraum, in das Menschen sich ungestört zurückziehen können. Außerdem gibt es noch das Awarenessraum, wo wir uns zum Reden treffen können.

Übergriffiges Verhalten und diskriminierende Beleidigungen gehören definitiv in unser Verständnis von Grenzüberschreitungen. Immer wieder werden aber auch Aussagen getätigt, die Diskriminierungen implizieren, viele davon werden oft unhinterfragt aus der Mainstream Gesellschaft übernommen. Dem soll begegnet werden, wie muss letztlich in der jeweiligen Situation entschieden werden. Dieser Punkt soll nicht Angst vor Kommunikation und potentiell folgender „Repression“ schüren, sondern darauf aufmerksam machen, dass wir achtsam miteinander umgehen sollten und offen für Reflexion bleiben müssen.
Dafür, wie diese Unterstützung aussieht, gibt es kein Schema F, das immer angewendet werden kann. Die Betroffenen entscheiden letztlich, welcher Umgang mit dem grenzverletzenden Person und welche Unterstützung für sie hilfreich sein kann.
Wir sind ansprechbar und ihr bestimmt, wie viel ihr preisgeben möchtet, wenn ihr von erlebten Grenzüberschreitungen redet. Wir werden mit den uns zugetragenen Informationen vertraulich umgehen und parteilich handeln, eure Wahrnehmung also nicht in Frage stellen und nichts weitererzählen, außer es gibt euer ausdrückliches Einverständnis. Wenn ihr mit einer Situation vollkommen überfordert seid, versuchen wir dabei unterstützen und einen Umgang zu finder der euch gut tun könnte. Wenn nötig kann das in der Konsequenz auch die Durchsetzung einer räumlichen Distanz der grenzverletzenden Person bedeuten.Wir möchten allerdings keine Rauswürfe vornehmen ohne der rausgeworfenen Person den Grund für unser Handeln mitzuteilen. Das hängt damit zusammen, dass wir einen Reflexionsprozess bei grenzverletzenden Personen möglich machen wollen um Wiederholungen an anderen Orten vorzubeugen (transformativer Ansatz).

In linken Bewegungen wird oft angenommen, dass antisexistische Unterstüzungsarbeit vor allem den konsequenten Rauswurf von grenzverletzenden Personen aus Zusammenhängen bedeutet. Das kann es bedeuten, ist aber kein muss, sondern der Umgang orientiert sich an den Bedürfnissen der Betroffenen. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten kann von uns als temporärer Unterstützungsgruppe allerdings nicht dauerhaft begleitet werden und liegt letztlich in der Verantwortung der grenzverletzenden Person und des Umfeldes.

So – das ist, was wir machen. Das Wochenende lebt letztlich davon, dass wir alle versuchen in Eigenverantwortung zu handeln und aufeinander achten. Dieser Text soll keine Angst davor machen, miteinander in Kontakt zu treten.
Flirten kann Spaß machen, miteinander rumkuscheln auch – habt Spaß, aber tut das in Absprache miteinander. Fragt lieber einmal mehr nach, als zu wenig. Ihr könnt nicht wissen, ob euer Gegenüber gerade Lust hat, berührt zu werden. Gönnt euch Pausen, habt Spaß und nehmt euch Zeit für Reflektion. Egal ob auf Aktionen, im Bett oder am Kochtopf.
Es gibt auch einen lesenswerten Text zum Umgang miteinander.

zu einigen Begrifflichkeiten:
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Es ist ein breit getragener Gesellschaftlicher Diskurs, dass es nur 2 Geschlechter gäbe, die an dem abgelesen werden könnten, was eine*r zwischen den Beinen hat. Diese binäre Auffassung von Geschlecht ist eine gesellschaftliche Konstruktion, die Menschen in Kategorien zwängt und der Selbstbestimmung aller entgegensteht, daher lehnen wir sie ab. Dennoch haben diese Kategorien und in welche davon wir gesteckt werden, also „Frau“ oder „Mann“, Auswirkungen auf unsere Lebensrealität. Insbesondere sei hier die Problematik der männlichen Vorherrschaft oder des Patriarchats erwähnt, dass also Männer* strukturell gegenüber und auf Kosten von Frauen* bevorteilt sind und Frauen* infolge dessen immer wieder besonders stark von Unterdrückungsmechanismen betroffen sind. Insofern arbeiten wir hier mit diesen Begrifflichkeiten, obgleich wir finden, dass es viel mehr Geschlechter gibt, die so vielfältig sind wie die Menschen selbst, genauso wie es Menschen ohne geschlechtliche Selbstzuordnung gibt.
**Die Begrifflichkeit Cis-Mann oder Cis-Frau bedeutet, dass das durch die Gesellschaft zugewiesene Geschlecht durch die Menschen selbst auch als das passende empfunden wird. Ein cis-Mann ist demzufolge also einer, der als Mann gelesen, also von anderen an äußeren Merkmalen in die Kategorie Mann einsortiert wird und sich auch selber so definiert. Trans* Menschen sind keine Cis-Menschen.FLT* steht für FrauenLesbenTrans*. Statt von Betroffenen wird oft auch von Überlebenden geredet.